Xaver Scharwenka

geb. 06.01.1850 in Samter/Posen (Szamotuly/Poznan)

gest. 08.12.1924 in Berlin

 

Film über sein Ehrengrab der Stadt Berlin  hier

Mit dem frühen Triumph des Polnischen Tanzes im Rücken und auf der Stirn avancierte Xaver Scharwenka schnell zu einem der glänzendsten Pianisten und Komponisten seiner Generation und damit auch zu einem musikalischen Repräsentanten der Wilhelminischen Ära zwischen den Kriegen 1870/71 und 1914/18.

Xaver Scharwenka komponierte u.a. 4 Klavierkonzerte, 2 Klaviertrios und 1 Klavierquartett, eine Sinfonie, die Oper Mataswintha (1897 in Weimar und an der Metropolitan Opera New York aufgeführt) sowie zahlreiche Klavierwerke

1881 gründete er in Berlin sein eigenes Scharwenka-Konservatorium, einige Jahre später in New York eine Niederlassung.

 

Xaver Scharwenka wurde 1850 in Samter bei Posen geboren und kam (erst) 1865 nach Berlin zu Theodor Kullak. Aber schon mit 19 Jahren, 1869, gelang ihm der Durchbruch als Pianist und Komponist. Der Verlag Breitkopf & Härtel druckte auf Anhieb Xavers Klaviertrio op. 1, seine Violinsonate op. 2 (beide Werke waren 1996 bei unserem Kammermusikfest die überwältigenden ,,Renner" mit Seta Tanyel, Lydia Mordkowitsch und Leonid Gorakov) sowie 5 Polnische Tänze op. 3 für Klavier, deren Nr.1 zu einem millionenfach verkauften ,,Mega Hit" wurde. 1877 kam mit dem Klavierkonzert Nr.1 op. 32 ein weiterer Welterfolg hinzu, der ihm schnell die Wege in die musikalischen Zentren Europas und Nordamerikas ebnete (,,der absolute Höhepunkt romantischer Glitzerund Muskel-Virtuosität" - Peter Cosse' in FONO FORUM 2/94). Dieses Konzert ist Franz Liszt gewidmet, der Xaver Scharwenka seit dem Erscheinen des 1. Polnischen Tanzes 1870 förderte und deshalb die Widmung gern annahm.

1881 gründete Xaver Scharwenka in Berlin sein eigenes Scharwenka-Konservatorium, 1891 ein weiteres in New York, wo er bis zur Jahrhundertwende lebte und lehrte. 1908 konnte Xaver in Berlin die triumphale Uraufführung seines 4. Klavierkonzerts op. 82 feiern, das viele bedeutende Pianisten sogleich in ihr Repertoire aufnahmen. Im November 1910 spielte Xaver Scharwenka selbst die New York-Premiere unter der Leitung Gustav Mahlers, der wenige Monate später starb.

Mit dem 1. Weltkrieg ab 1914 ging dann jene Epoche unter, die Xaver Scharwenka musikalisch so glänzend mit repräsentiert hatte. Zu seinem 50jährigen Künstlerjubiläum 1919 in Berlin spielte der l6jährige Claudio Arrau Xavers berühmte Klaviervariationen op. 48, aber die Hoffnung auf Interpreten einer neuen Generation erfüllte sich erst 50-70 Jahre später, als von den USA und England ausgehend Ersteinspielungen seiner Werke erschienen und das Interesse an seiner Musik und der Epoche wieder wachsen ließen, darunter auch bereits 1976 eine Langspielplatte Evelinde Trenkners mit Polnischen Tänzen und den Variationen op. 48 in den USA. 

Seit 1991 sind in England allein mit der Pianistin Seta Tanyel 8 CDs mit Scharwenka-Werken erschienen - sämtlich weltweit als ,,beyond praise" gelobt -, und die Ersteinspielung des 4. Klavierkonzerts bei Hyperion wurde 1996 konkurrenzlos als ,,RECORD OF THE YEAR" ausgezeichnet. 2002 sind die Klavierkonzerte Nos. 1 und 2 in einer Neueinspielung mit der Pianistin Laurence Jeanningros bei dem Label "Centaur" erschienen.

Das 4.Klavierkonzert ist im Oktober 2000 von dem Dirigenten Neeme Järvi mit dem Detroit Symphony Orchestra und dem Philadelphia Orchestra insgesamt 7mal mit überwältigendem Erfolg aufgeführt worden (Pianisten: Alexander Markovich in Detroit, Stephen Hough in Philadelphia). 

Am 02. und 03.November 2002 ist das 4.Klavierkonzert in der Berliner Philharmonie unter der Leitung von Neeme Järvi von dem Pianisten Alexander Markovich mit überwältigendem Erfolg gespielt worden.

Weitere Aufführungen dieses Konzerts mit Alexander Markovich haben 2004 in Göteborg und in der Kölner Philharmonie, sowie im Dezember 2006 in Lübeck stattgefunden. 2012 folgten dann Aufführungen mit ihm in Tallinn und Warschau.

 

 

 

A k t u e l l e  D i s k o g r a p h i e (Stand: 01.12.2012 )

Klavierkonzert Nr.4 op. 82  Stephen Hough+City of Birmingham SO Ltg. L. Forster “Record of the Year 1996” – Hyperion GAW 21790-

Klavierkonzert Nr.1 op. 32  Marc-André Hamelin + BBC Scottish SO/M. Stern Hyperion CDA67508 (2005) Earl Wild + Boston SO Ltg. Erich Leinsdorf ELAN CD 82266 Laurence Jeanningros – Tschechisches SO Ltg. P. Freeman Centaur – B 00005

Klavierkonzert Nr. 2 op.56  Seta Tanyel + Radiophilharmonie Hannover des NDR . Ltg. Tadeusz Strugala - Hyperion CDA 67365 Laurence Jeanningros + Tschechisches SO Ltg P. Freeman Centaur – B 00005 Michael Ponti + Hamburger SO/ Richard Krapp VOX 1157102  Raymond Lewenthal + Londom SO Ltg. Eleazar deCarvalho (nur Finale) – ELAN CD 82284

Klavierkonzert Nr. 3 op.80  Seta Tanyel + Radiophilharmonie Hannover des NDR Ltg. Tadeusz Strugala – Hyperion CDA67365

Sinfonie c-moll op. 60 u. a.  Gävle SO Ltg. Christopher Fifield – Sterling CDS-1060-2

Complete chamber music  Seta Tanyel-Lydia Mordkovitch-Levon Chilingirian u.a. Hyperion CDD22046 (2 CDs)

Klaviermusik Vol. 1  Seta Tanyel - Hyperion CDH55131

Klaviermusik Vol. 2  Seta Tanyel - Hyperion CDH55132

Klaviermusik Vol. 3  Seta Tanyel - Hyperion CDH55133

Klaviermusik Vol. 4  Seta Tanyel - Hyperion CDH55134

2 Walzer op. 44  Kölner Klavierduo - Koch-Schwann 3-1575-2

„Te voglio bene assaje”op.39  Klavierduo Trenkner & Speidel – MDG 330 1134-2

Polnischer Tanz op. 3 Nr.1  Xaver Scharwenka – Naxos Historical – 8.110679

Xaver Scharwenka + Ignaz Jan Paderewski spielen Chopin - Nimbus Records – NI 8816


Kürzlich sagte Matthias Schneider-Dominco in MDR Kultur (Leipzig): ,,Xaver Scharwenka machte eine fulminante Karriere als Pianist, Komponist, Pädagoge und Konzertmanager. Diese Universalität kann man heute im Zeitalter der Spezialisierung kaum ermessen, allenfalls einen Vergleich zu dem musikalischen Tausendsassa Leonard Bernstein ziehen." 

Xaver Scharwenkas Grab - ein Ehrengrab der Stadt Berlin - ist auf dem Alten St. Matthäus-Kirchhof in Schöneberg zu besichtigen.

Bei dem Göttinger Hainholz-Verlag ist soeben von Schneider-Dominco das Buch "Xaver Scharwenka, Werkverzeichnis" erschienen, ISBN 3-932622-68-5.

Sehen Sie nachfolgend Xaver Scharwenkas Werkverzeichnis:

 

Der Musikjournalist Hans-Dieter Grünefeld hat darüber hinaus von dem Verlag Universal-Edition in Wien folgende Mitteilung erhalten:

"Im Juni 1906 sind die beiden Sammelbände der Beethoven Symphonien bearbeitet von Xaver Scharwenka zu je 2000 Stück erschienen. Band 1 (1-5) UE970 und Band 2 (6-9) UE971 und 1910 sind alle Symphonien in Einzelausgaben erschienen. (UE4550-UE4558)" 

 

Mein Klavier-Duo mit Sontraud Speidel hat im November 2013 Beethovens 7. Symphonie vierhändig arrangiert von Xaver Scharwenka bei MDG auf CD aufgenommen.

 

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